Nachholbedarf bei der Nachhaltigkeit
Auch in der Biolandwirtschaft und im Biobereich insgesamt gibt es noch Nachholbedarf in Sachen Nachhaltigkeit. Das ist beim Pressegespräch Wie nachhaltig ist Bio? auf dem Medientag im Vorfeld der BioFach 2012 in Nürnberg deutlich geworden. Bioland-Präsident und Vorstand des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Jan Plagge, verwies auf Studien, die zeigten, dass mit der Verwendung der Methoden des biologischen Landbaus mehr im ökologischen, ökonomischen und sozialen Bereich erreicht werde. Plagge zufolge funktioniert das Kontrollsystem im Ökolandbau. Doch es reiche nicht dafür aus, keine Fehler zu machen. Zudem werde die Nachhaltigkeit dabei nicht erfasst. "Ich will mehr hinterlassen als ich vorgefunden habe", so der Bioland-Präsident in seiner Nachhaltigkeits-Definition.
Einzelbetriebliche Beratung notwendig
Darüber hinaus zeigte er sich überzeugt, dass der einzelne Betrieb in
Sachen Nachhaltigkeit beraten werden müsse. Allgemeine
Beratungsempfehlungen etwa beim Tierschutz oder bei der Artenvielfalt
reichten nicht aus, da die Situationen auf den einzelnen Höfen sehr
unterschiedlich seien. Plagge kündigte ein einzelbetriebliches
Beratungsangebot für Klimaschutz und Nachhaltigkeit an, das erarbeitet
werden solle. Aus Sicht des Direktors der Internationalen Vereinigung
biologischer Landbaubewegungen (IFOAM), Markus Arbenz, muss man nicht
nur den Ökobereich sehen, sondern alles in einem ganzheitlichen Ansatz.
Hier sei auch Bio noch nicht nachhaltig genug. Wirtschaften heiße,
Kapital zu vermehren, und zwar ökologisch, ökonomisch und sozial.
Höhere Erträge sind möglich
Nach Arbenz Worten gibt es global gesehen immense Probleme, eine
Milliarde hungernde Menschen zu ernähren. Daher seien nachhaltige
Prozesse notwendig, um sich dieser Situation anzunähern. Mit Blick auf
die Frage, ob Bio die Welt ernähren könne, verdeutliche er, dass die
Biolandwirtschaft außerhalb der EU höhere Erträge erziele als die
konventionelle. "Die Biolandwirtschaft ist produktiv", betonte der
IFOAM-Direktor. Es gebe vielmehr ein Verteilungsproblem. Nach Auffassung
des Geschäftsführenden Vorstands der Assoziation ökologischer
Lebensmittelhersteller (AoeL) und BÖLW-Vorstand Dr. Alexander Beck
müssen sich Mensch und Natur versöhnen, um eine Balance zwischen den
Wirtschaftsprozessen zu finden. Er wies zudem in Nürnberg auf
Studienergebnisse hin, nach denen sich gesündere Menschen mit
Biolebensmitteln ernährten.
"Der Kunde muss verstehen, was passiert", so die Geschäftsführerin der
Laverana GmbH, Klara Ahlers , die Kosmetikprodukte herstellt. Sie
erklärte, dass sich Konzerne mit Nachhaltigkeit schwer täten. Die Kunden
seien hier hingegen schon weiter und sähen genau, ob nachhaltig nur
ein Werbeslogan sei. Ferner habe der Tierschutz einen sehr wichtigen
Nachhaltigkeitsaspekt. Darüber hinaus sei die Transparenz, also wo
produziert werde, ein wichtiges Thema.
Das Bewusstsein ändern
Wie der Geschäftsführer der "Lebensbaum - Ulrich Walter GmbH" und
BÖLW-Vorstand Ulrich Walter ausführte, lässt sich Nachhaltigkeit nicht
auf Einzelaspekte reduzieren. "Die ganze Produktionskette muss
betrachtet werden", unterstrich Walter. Aus seiner Sicht werden die
Wertschöpfungsprozesse immer undurchsichtiger. Die Kontrolle dürfe aber
nicht verlorengehen. Zudem müsse für den Verbraucher Transparenz
hergestellt werden, damit dieser seine Urteilsfähigkeit erhalte. Am Ende
der Kette müsse der geringste ökologische Fußabdruck stehen; keiner
wäre nämlich eine Illusion. Dieses Ziel könne aber nur mit Partnern
erreicht werden, was in der Biobranche auch der Fall sei. Schließlich
sei nachhaltiges Wirtschaften seit jeher Bestandteil im Biobereich. "Nachhaltigkeit ist Verpflichtung", stellte der Geschäftsführer fest.
Nach seiner Auffassung findet bei den Menschen eine Bewusstseinsänderung
statt, wenn sie sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen.
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